Schach und nochmal Schach

Hallo und herzlich willkommen! Hier werde ich in vermutlich ziemlich unregelmäßigen Abständen interessante Schachpartien und -kombinationen, Rezensionen von Schachbüchern sowie andere Informationen und Gedanken rund um das königliche Spiel veröffentlichen. (Hoffentlich) viel Spaß damit!

Freitag, Oktober 14, 2005

Topalov ist Weltmeister

Mit 1,5 Punkten Führung eine Runde vor Abschluss des Turniers liegt Topalov uneinholbar vor Anand und Svidler, die sich heute hoffentlich um den zweiten Platz streiten werden. Womit wir auch gleich zum Fazit kommen: Anand hat mich ziemlich enttäuscht, da er in Runde 9im direkten Duell gegen Topalov schon nach 17 Zügen Remis vereinbarte. Er versuchte seine Chance gar nicht erst zu nutzen. Topalovs kämpferische Stil gefällt da doch wesentlich besser. Ich gönne insofern Svidler in der heutigen Partie gegen Anand den Sieg, da er sich nicht so handzahm wie Anand verhalten hat.
Morozevich war nicht schlecht, aber eben auch nicht überragend. Ich habe ein wenig seine Experimentierfreudigkeit vermisst. Kasimdshanow hat bei diesem Turnier an Ansehen gewonnen, da er sich hier stärker präsentiert hat, als viele Beobachter ihn eingeschätzt haben. Es zeigt sich also, dass sein Gewinn der letzten Fide-"Weltmeisterschaft" nicht so ganz zufällig war.
Sehr enttäuschend dürfte das Turnier für Leko sein. Ich gebe zu, dass mich sein Schachstil nicht so sehr begeistert, aber ich muss zugeben, dass ich ihm mehr zugetraut hatte. Ich hätte ihn zumindest unter den ersten vier erwartet.
Adams war das ganze Turnier nicht gut in Form. Trotzdem hat er den Kopf nicht in den Sand gesteckt und hat (so wirkte es zumindest) alles gegeben. Zu einem Sieg hat es allerdings noch nicht gereicht. Insgesamt aber eine enttäuschende Leistung.
Judit Polgar hat zwar einmal gewonnen, aber manchmal wirkte es so, als gehöre sie eigentlich nicht in dieses Turnier. Es tut mir Leid, dass so sagen zu müssen. Ich hätte ihr den Titel gegönnt, auch weil es bestimmt das allgemeine Interesse der Medien an dem Turnier gesteigert hätte. Im Moment sucht man nämlich Nachrichten über San Luís vergeblich. Hätte Polgar gewonnen...ich kann schon Alice Schwarzer hören...Das Medieninteresse wäre sofort da! So ist es überaus enttäuschen, wie Polgar in vielen Partien deklassiert wurde. Man merkte einfach in fast jeder Partie ihr eklatantes Defizit an Eröffnungsvorbereitung und manchmal auch eine Schwäche bei der Berechnung von Zügen. Insgesamt sehr enttäuschend. Aber irgendjemand muss ja Letzter (bzw. Letzte) werden. Ein Schachspieler sollte alleine die Tatsache bei dem wichtigsten Turnier der letzten Jahre, bei dem hochklassige und in den meisten Fällen ausgekämpfte Partien zu sehen waren und das dazu hervorragend besetzt war, dabei gewesen zu sein, mit Stolz erfüllen. Die Schachwelt hat es auf jeden Fall, wie gut an den Besucherzahlen des chessbase-Server ersichtlich, begeistert! Mehr davon!