Schach und nochmal Schach

Hallo und herzlich willkommen! Hier werde ich in vermutlich ziemlich unregelmäßigen Abständen interessante Schachpartien und -kombinationen, Rezensionen von Schachbüchern sowie andere Informationen und Gedanken rund um das königliche Spiel veröffentlichen. (Hoffentlich) viel Spaß damit!

Montag, Oktober 31, 2005

Noch einmal Caro-Kann

Auf Wunsch eines meiner (vermutlich wenigen) Leser kommt hier noch eine taufrische Caro-Kann-Partie, die ich heute auf dem Chessbase-Server gespielt habe. Da Nachfrage besteht, und ich natürlich auf die Wünsche meiner Leser bzw. meines Lesers eingehe, wird dies nicht die letzte Caro-Kann-Partie sein. Viel Spaß!

Anonym - Schachdrache [B10]

1.e4 c6 2.Sf3?! schon wieder dieser merkwürdige Zug 2...d5 3.e5 Lg4 4.Le2 [4.d4 c5 5.Lb5+ Sc6 6.dxc5 e6 durch Zugumstellung käme man in eine typische Caro-Kann-Variante 7.Le3 Sge7 8.c3 a6 (8...Sf5? 9.Da4!) 9.La4 Dc7 10.Ld4 Sg6=]

4...c5 Schwarz hat Vorteil im Zentrum 5.h3 Ld7 [5...Lxf3 6.Lxf3 Sc6 wäre wohl besser gewesen, aber ich wollte das Läuferpaar lieber behalten und zudem Lb5+ gar nicht erst ermöglichen] 6.0–0 e6 7.d4 cxd4 8.Sxd4 Lc5 9.Sf3 etwas passiv [9.Sb5 Lxb5 10.Lxb5+ Sc6 11.Lxc6+ bxc6 12.Dg4 Se7 13.Dxg7 Sg6 14.Sc3 Lf8 15.Df6 Tg8 16.Dxd8+ Txd8 eine seltsame Stellung, aber Schwarz steht solide] 9...Se7 10.Lg5?! [10.c4 ist denke ich notwendig, damit Schwarz im Zentrum nicht schalten und walten kann] 10...h6 11.Lh4 Schwarz steht hier schon etwas besser 11...Sbc6 [11...Db6 12.Ld3 Dxb2 13.Sbd2 Lb6 und Schwarz steht deutlich besser] 12.c3 Dc7 bald gibt es kein weißes Zentrum mehr 13.b4 Lb6 14.b5? der Verlustzug

[14.Ld3 Sxe5 15.Lg3 (15.Sxe5 Dxe5 16.a4 a5 17.bxa5 Txa5–+) 15...Sxf3+ 16.Dxf3 Dc6 und Schwarz steht etwas besser]

14...Sxe5 15.Lxe7?! [15.Sd4 wäre relativ besser gewesen 15...S7g6 16.Lg3 0–0 17.Te1–+] 15...Kxe7 der schwarze König steht hier sicher, da das Zentrum ganz in schwarzen Händen ist 16.Sxe5 Dxe5 17.Lf3 Lc7 im Internet kann man es immer wieder mit einzügigen Mattdrohungen versuchen, da immer die Chance besteht, dass sie übersehen werden, aber auch sonst ist dieser Zug nicht schlecht 18.Te1?? verliert sofort [18.g3 der einzige Zug 18...Lxb5 19.Te1 Df6 20.Lxd5 Thd8 21.Df3 Dxf3 22.Lxf3 La6 es wird noch dauern, aber Weiß hat hier keine Chance mehr: Zwei isolierte Bauern und ein Minusbauer sind zuviel des Schlechten] 18...Dh2+

19.Kf1 Lxb5+ Weiß kann das Matt nun nur noch durch Figurenopfer herauszögern 20.Le2 [20.c4 Lxc4+ 21.Dd3 Lxd3+ 22.Te2 Dh1#] 20...Dh1# 0–1

Donnerstag, Oktober 27, 2005

Auflösung

Hier nun die Auflösung des am Mittwoch vorgestellten Problems:

1...Ta6+! 2.bxa6+ Kc6 3.b5+ Kxc5 und Weiß ist in einem tödlichen Zugzwang 4.b6 axb6# 0–1


Dienstag, Oktober 25, 2005

Weltmeisterschaft Runde 1

Heute nun eine Caro-Kann-Partie auf einem höheren Niveau. Anand, den ich vor dem Turnier als einen großen Favoriten gesehen hatte, begeisterte mich gleich in der ersten Runde, als er Caro-Kann gegen Polgar spielte. Es spricht doch einiges für diese Verteidigung, wenn Anand sie in der psychologisch wichtigen ersten Partie eines Turniers spielt. Am Ende des Turniers in San Luís war ich allerdings von Anand enttäuscht, da ich bei ihm Kampfgeist vermisste. Diese Partie war aber trotz einiger Fehler sehr eindrucksvoll:


Polgar (2735) - Anand (2788) [B17]

WCh-FIDE San Luis ARG (1), 28.09.2005


1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Sd7 5.Ld3 Sgf6 6.Sf3?!
Tempoverlust - schon hier scheint Polgar nicht mehr vorbereitet zu sein. Sie hatte ja einige Probleme mit den Eröffnungen [6.Sg5 ist hier üblich 6...e6 7.S1f3 Ld6 8.De2 h6 9.Se4 Sxe4 10.Dxe4 und man hat die Ausgangsstellung zahlloser Partien erreicht] 6...Sxe4 7.Lxe4 Sf6 8.Ld3 Lg4 9.Le3?! [besser ist 9.c3 e6 10.0–0 Le7 11.h3 Lh5 12.Le2 Lxf3 13.Lxf3] 9...e6 und Schwarz hat schon ausgeglichen


10.c3 Ld6 11.h3 Lh5 12.De2
[12.Db3 Lxf3 13.gxf3 Db6 14.Dxb6 axb6 Schwarz steht etwas besser] 12...Da5 13.a4 [13.0–0 0–0–0 14.Tfe1 Kb8 und Schwarz steht etwas besser] 13...0–0 14.Dc2?! Lxf3 15.gxf3 Dh5 nun bleibt Weiß nichts mehr übrig, als lang zu rochieren, und der Damenflügel sieht auch nicht gerade sicher aus...



16.0–0–0 Sd5 17.Kb1 b5 Schwächung der weißen Königsstellung 18.Tdg1 f6 19.axb5 cxb5 20.Lc1 Tab8 [besser ist wohl 20...a6 21.Tg4 Ta7 22.Te1 Te7 23.De2 und Schwarz steht etwas besser] 21.De2 Tfe8 22.De4 Kh8 23.h4 f5 24.De2 Df7 25.Tg2 Lf4 Läufertausch ist natürlich tabu! 26.Thg1 Tg8 27.Le3 Dd7 28.Dd2? verliert schon 28...Ld6 29.Lc2 Db7? es wäre wesentlich besser gegangen - Schwarz steht jetzt nur noch leicht besser [29...b4! 30.c4 b3 31.cxd5 bxc2+ 32.Dxc2 exd5 33.Ld2 Db5 34.Lc3 Dc4–+] 30.Lg5? nun übersieht Anand den Zug aber nicht noch einmal [notwendig ist 30.Dd3 a5 und Schwarz steht nun noch etwas besser] 30...b4!


31.c4 b3 32.Ld3 Lb4 33.De2 Da6 34.Lh6? [34.Kc1 wäre relativ besser gewesen] 34...Sc3+!


35.bxc3 der einzige Zug [35.Kc1? Da1+ 36.Lb1 Dxb1+ 37.Kd2 Sd1#] 35...Lxc3 36.Kc1 Da3+ [36...b2+ ist noch viel stärker 37.Kc2 Da2 38.Lxg7+ Txg7 39.Kxc3 Tb3+ 40.Kd2 (40.Kc2?? b1D#) 40...b1D+ 41.Ke3 Dxe2+



42.Kf4 (42.Kxe2 Dxd3+ 43.Ke1 Tb1#) 42...Dbxd3 43.Txg7 Ddd2+ 44.Kg3 Dxf3+ 45.Kh2 Dh3#] 37.Kd1 Da1+ 38.Lc1 b2 39.De3 Lxd4 [39...bxc1D+ ist stärker 40.Dxc1 Da4+ 41.Ke2 Tb2+ 42.Ke3 f4+ 43.Kxf4 Ld2+ 44.Kg3 Lxc1 45.Txc1 Da3–+] 40.Dd2 bxc1D+ 41.Dxc1 Da2 trotz einiger Ungenauigkeiten eine eindrucksvolle Partie, die zeigt, wie stark auch eine scheinbar so harmlose Verteidigung wie Caro-Kann sein kann 0–1

Montag, Oktober 24, 2005

Mal eine meiner Partien

Ich habe mir jetzt vorgenommen, immer mal eine Partie von mir zu veröffentlichen. Leider gibt es kein so hochwertiges Material bei meinen Nahschachpartien, da bei mir häufig noch die Kinderkrankheiten eines Schachspielers auftauchen. Ich habe mich aber trotzdem dazu entschlossen, eigene Partien zu veröffentlichen, auch wenn meine Elo nicht über 2000 liegt... Um genau zu sein, habe ich im Moment lediglich eine geschätzte Elo von 1499, da ich vor einigen Wochen überhaupt das erste Mal in meinem Leben in einem Schachclub bin. Mal sehen, was bei der ersten Elo-Berechnung herauskommt...
Mein Gegner in dieser Partie (wie auch in allen folgenden) bleibt natürlich anonym!

Anonym - Schachdrache [B10]

10m + 10s, 07.08.2005

1.e4 c6 2.Sf3 ich treffe im Internet immer wieder auf Gegner, die Caro-Kann so beantworten. Der Sinn des Zuges ist mir allerdings überhaupt nicht klar. Vorbereitung von d4? - Ziemlich albern! Gegnerverwirrung? - Wahrscheinlicher. Vorher schon gezogen, da man von e5 oder c5 ausgeht? Ich weiß es nicht, aber rege mich jedes Mal über diesen meiner Meinung nach nicht sonderlich schönen bzw. sinnvollen Zug auf! 2...d5 3.exd5 cxd5 4.Sc3 Sf6 5.d3 Lg4 6.h3 Lxf3 7.Dxf3 e6 8.Lg5?! [8.Le2 Weiß sollte lieber zunächst seine Entwicklung abschließen] 8...Le7 9.0–0–0?! sehr mutig... [9.Le2 mit Vorbereitung der kurzen Rochade sieht positionell gesünder aus] 9...0–0 und Schwarz steht schon besser. Hier sieht man, was passiert, wenn Weiß in der scheinbar harmlosen Caro-Kann-Verteidigung nicht präzise spielt



10.d4?! [10.Le2 wäre schon wieder besser - Weiß hätte sich endlich entwickelt] 10...h6?! leider habe ich hier nicht gleich die Ungenauigkeiten von Weiß ausgenutzt [10...Sc6 11.Ld3 Tc8 (11...Sxd4? 12.Lxh7+! Sxh7 13.Lxe7 Sxf3 14.Lxd8 Tfxd8 15.gxf3 und Schwarz hat nur noch einen leichten Vorteil. Allerdings dürfte er die bessere Bauernstruktur in einen vollen Punkt umwandeln) 12.Kb1 Da5 13.Se2 Sb4 14.Sc1 Sxd3 15.Sxd3 Tc6 16.c3 und Schwarz steht deutlich besser] 11.Lh4 Sc6 12.Se2?! [12.Le2 dieser Zug verfolgt mich direkt bei der Analyse dieser Partie, aber er ist schon wieder besser! Vor allem besser als das Einklemmen des vernachlässigten Läufers 12...Db6 13.De3 Tac8 14.Kb1 Sa5 15.Sa4 Dc6 16.Sc3 a6 17.Df3 b5 18.Ld3 Sc4 19.Se2 Se4 20.Dh5 allerdings steht Schwarz auch hier schon fast auf Gewinn] 12...Se4 sehr unangenehm 13.Lxe7 Dxe7 [13...Sxe7 wäre etwas besser gewesen. Aber nach Blitzpartien muss man bei den Analysen so häufig leiden - immer wieder entgehen einem die besten Fortsetzungen... 14.Sg3 Sxg3 15.Dxg3 Tc8 Schwarz steht hier etwas besser] 14.Sc3?? verliert sofort!


[14.c3 b5 15.Sg3 Sxg3 16.Dxg3 b4 17.c4 dxc4 18.Lxc4 Df6 19.Df3 Dxf3 20.gxf3 Schwarz steht aber auch hier deutlich besser] 14...Dg5+ 15.De3 [15.Kb1 Sd2+ 16.Txd2 Dxd2 17.Ld3 Sxd4 18.Dg3 Dg5 19.Dxg5 hxg5 20.h4 g4–+] 15...Dxe3+ [15...Sxf2 wäre noch besser gewesen 16.Dxg5 hxg5 17.Lb5 Sxd4 18.Txd4 Sxh1 19.Tb4 Tab8 20.Kd2–+] 16.fxe3 Sf2 0–1

Mittwoch, Oktober 19, 2005

Ein sehr interessantes Problem

In der Rochade Europa wurde dieses hochinteressante Problem vorgestellt. Seine Herkunft ist nicht geklärt, aber es ist zu vermuten, dass es vom IM Dr. Heinz Lehmann erfunden wurde. Man versuche, die Lösung ohne elektronische Unterstützung zu finden. In den nächsten Tagen werde ich die Lösung präsentieren.

Schwarz zieht und gewinnt.

Dienstag, Oktober 18, 2005

Wenn schon Russisch, dann aber richtig!

Was ist eigentlich mit manchen Leuten los? Ich spiele gerne im Internet Schach und habe dort immer wieder Gegner die Russisch als Verteidigung gegen e4 wählen. In Ordnung! Ist zwar nicht gerade die spannendste Verteidigung, aber sie ist grundsolide. Es sei denn... Ja, es sei denn, man kennt die elementarste Falle nicht! Es ist eigentlich nicht zu glauben, aber ich treffe immer wieder auf Spieler, die bei Russisch und übrigens auch bei der Berliner Verteidigung in der spanischen Eröffnung in die folgende Falle tappen:

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sxe5? Sxe4 [richtig ist natürlich 3...d6 4.Sf3 Sxe4] 4.De2 Sf6?? ein folgenschwerer Fehler [4...De7 5.Dxe4 d6 6.d4 dxe5 7.dxe5 Sc6 8.Lb5 Ld7 ist für Schwarz zumindest noch halbwegs spielbar]



5.Sc6+ und die Dame ist unwiederbringlich verloren!

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.0–0 Sxe4 5.Te1 Sf6? [5...Sd6 ist natürlich richtig] 6.Sxe5 a6?? das Internet macht's möglich - auch das habe ich schon erlebt



7.Sxc6+ ist das Gleiche in Grün...

Fazit: Zumindest ein ganz kleines bißchen sollte man sich mit den Eröffnungen auskennen, die man wählt, will man nicht schon nach weniger als 10 Zügen das Handtuch schmeißen müssen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Gegenseite immer einen Riesenspaß hat, wenn der Gegner freiwillig in eine solche Falle tappt...

Freitag, Oktober 14, 2005

Ich habe doch nicht verloren! :-)

Vor einiger Zeit habe ich ja geschrieben, dass es so aussieht, als ob ich verliere, aber ich habe es geschafft: Remis! Es hätte mich auch definitiv gewurmt, diese Partie zu verlieren, da mein Gegner einfach nur ein Damenbauernspiel gegen mich gespielt hat, nicht gerade eine meiner persönlichen Lieblingseröffnungen, da sie, wie ich finde, eigentlich keinen Vorteil verspricht, zu langweiligen Positionen führt und man trotzdem mit Schwarz aufpassen muss (wie immer...). Ich bevorzuge ja, wenn mein Gegner schon mit d4 eröffnet indische Eröffnungen oder das gute klassische Damengambit.
Aber warum mecker ich denn? Ein verloren geglaubtes Spiel hat mir einen halben Punkt gebracht!

Topalov ist Weltmeister

Mit 1,5 Punkten Führung eine Runde vor Abschluss des Turniers liegt Topalov uneinholbar vor Anand und Svidler, die sich heute hoffentlich um den zweiten Platz streiten werden. Womit wir auch gleich zum Fazit kommen: Anand hat mich ziemlich enttäuscht, da er in Runde 9im direkten Duell gegen Topalov schon nach 17 Zügen Remis vereinbarte. Er versuchte seine Chance gar nicht erst zu nutzen. Topalovs kämpferische Stil gefällt da doch wesentlich besser. Ich gönne insofern Svidler in der heutigen Partie gegen Anand den Sieg, da er sich nicht so handzahm wie Anand verhalten hat.
Morozevich war nicht schlecht, aber eben auch nicht überragend. Ich habe ein wenig seine Experimentierfreudigkeit vermisst. Kasimdshanow hat bei diesem Turnier an Ansehen gewonnen, da er sich hier stärker präsentiert hat, als viele Beobachter ihn eingeschätzt haben. Es zeigt sich also, dass sein Gewinn der letzten Fide-"Weltmeisterschaft" nicht so ganz zufällig war.
Sehr enttäuschend dürfte das Turnier für Leko sein. Ich gebe zu, dass mich sein Schachstil nicht so sehr begeistert, aber ich muss zugeben, dass ich ihm mehr zugetraut hatte. Ich hätte ihn zumindest unter den ersten vier erwartet.
Adams war das ganze Turnier nicht gut in Form. Trotzdem hat er den Kopf nicht in den Sand gesteckt und hat (so wirkte es zumindest) alles gegeben. Zu einem Sieg hat es allerdings noch nicht gereicht. Insgesamt aber eine enttäuschende Leistung.
Judit Polgar hat zwar einmal gewonnen, aber manchmal wirkte es so, als gehöre sie eigentlich nicht in dieses Turnier. Es tut mir Leid, dass so sagen zu müssen. Ich hätte ihr den Titel gegönnt, auch weil es bestimmt das allgemeine Interesse der Medien an dem Turnier gesteigert hätte. Im Moment sucht man nämlich Nachrichten über San Luís vergeblich. Hätte Polgar gewonnen...ich kann schon Alice Schwarzer hören...Das Medieninteresse wäre sofort da! So ist es überaus enttäuschen, wie Polgar in vielen Partien deklassiert wurde. Man merkte einfach in fast jeder Partie ihr eklatantes Defizit an Eröffnungsvorbereitung und manchmal auch eine Schwäche bei der Berechnung von Zügen. Insgesamt sehr enttäuschend. Aber irgendjemand muss ja Letzter (bzw. Letzte) werden. Ein Schachspieler sollte alleine die Tatsache bei dem wichtigsten Turnier der letzten Jahre, bei dem hochklassige und in den meisten Fällen ausgekämpfte Partien zu sehen waren und das dazu hervorragend besetzt war, dabei gewesen zu sein, mit Stolz erfüllen. Die Schachwelt hat es auf jeden Fall, wie gut an den Besucherzahlen des chessbase-Server ersichtlich, begeistert! Mehr davon!

Donnerstag, Oktober 13, 2005

Leiden eines e4-Spielers und die Lösung

Als e4-Spieler muss man mit Sizilianisch klar kommen. Fast auf allen Niveaus wird einem 1...c5 begegnen. Üblich ist dann natürlich, einen offenen Sizilianer mit 3. d4 folgen zu lassen. Wenn man jedoch keine 8-10 Stunden am Tag Zeit hat, die ganzen Varianten zu lernen (und das muss man, will man nicht eine Partie nach der anderen verlieren), muss man eine andere Lösung finden. Sich an offenen Sizilianer ranzusetzen, kann wirklich zur Verzweiflung führen, ich meine wir sprechen über eine Verteidigung, die wohl mehr Material aufweist als jede andere. Es sind mehrere hundert Seiten dicke Wälzer über Nebenvarianten von Nebenvarianten von sizilianischen Abspielen geschrieben worden. Und man sieht ja zurzeit bei Judit Polgar, was dabei rauskommt, wenn man die Varianten nicht perfekt beherrscht.
Es gibt aber eine Lösung: Die Lb5(+)-Sizilianer! Das sind die Rossolimo-Variante und die Moskau-Variante. Zwei positionell sehr solide Systeme, die vielen typischen Sizilianerspielern vermutlich gar nicht so sonderlich liegen. Zudem sind es keine obskuren Systeme: Ivantschuk hat Kasparow einmal damit regelrecht überrannt und Kasparow selbst hat die Variante in dem prestigeträchtigen Internetduell gegen die Welt gewählt. Was will man mehr?
Um einen kleinen Einblick in diese Systeme zu bieten, habe ich eine Partie von Rossolimo selbst ausgewählt. Er war ein fabelhafter Angriffsspieler und auch wenn seine Spielanlage sowie die Eröffnungstheorie (vor allem auf schwarzer Seite) nicht mehr den heutigen Schachkenntnissen entsprechen, so ist die Partie doch ein beeindruckendes Zeugnis dieses Spielers, der für die beste Alternative zu offenen Sizilianern mitverantwortlich ist.

Rossolimo - O'Kelly de Galway [B31]

Oldenburg, 1949

188MB, Shredder9.ctg, MARCO 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 g6 4.0–0 [4.Lxc6 ist die andere Möglichkeit; beide Varianten sind spielbar 4...dxc6 (4...bxc6 5.0–0 Lg7 6.Te1 Sh6 7.c3 0–0 8.d4 cxd4 9.cxd4) 5.d3 Lg7] 4...Lg7 5.c3

eine typische Ausgangsstellung des Rossolimo-Sizilianers


e6?! [5...Sf6 wird heute fast immer gespielt 6.Te1 0–0 7.e5 Sd5 8.d4 cxd4 9.cxd4 Weiß war von dieser Position aus sehr erfolgreich] 6.d4! jetzt bleibt keine Zeit mehr, den Königsflügel zu entwickeln 6...cxd4 [6...Sge7? 7.d5 Se5 8.Sxe5 Lxe5 9.Lg5 h6 10.Lh4 Dc7 11.Lg3 a6 12.La4 b5 13.f4 Lg7 14.d6 Db6 15.Lc2+-] 7.cxd4 Db6?! 8.Sa3! Sxd4 9.Sc4 der Läufer auf b5 ist immun 9...Sxf3+ [9...Dxb5?? 10.Sd6+] 10.Dxf3 Dc7 11.Lf4 Weiß hat einen drückenden Angriff aufgebaut


11...e5 12.Sxe5! Lxe5 13.Tac1 Db8 [13...Lxf4 14.Txc7 Lxc7 15.Dc3+-; 13...Dd6 14.Tfd1 Lxf4 15.Txd6 Lxd6 16.Dd1 Ke7 (16...Le7 17.Txc8+ Txc8 18.Dxd7+ Kf8 19.Dxc8++-) 17.e5! Lxe5 18.Txc8 Txc8 19.Dxd7+ Kf6 20.Dxc8+-] 14.Txc8+! die schwarze Dame ist überlastet 14...Dxc8 15.Lxe5 f6 16.Lxf6 Sxf6 17.Dxf6 Tf8 18.De5+ [Shredder fand einen Zug, mit dem es noch schneller geht 18.De6+ Kd8 19.Td1 Tf7 20.Dxf7 Kc7 21.Lxd7 Kb6 22.Db3+ Kc7 23.Dc3+ Kd8 24.Df6+ Kc7 25.Dd6+ Kd8 26.Lb5+ Dd7 27.Dxd7#] 18...Kd8 19.Dg5+ Ke8 20.Tc1 Dd8 21.De5+ De7 22.Lxd7+ Kf7 [22...Kxd7?? 23.Tc7+ Kd8 (23...Ke8 24.Dxe7#) 24.Dxe7#] 23.Le6+ Ke8 24.Tc7 ein beeindruckender Sieg, und O'Kelly de Galway war kein Anfänger. Bald darauf ist er Großmeister geworden und 1959 wurde er Fernschachweltmeister... 1–0