Als e4-Spieler muss man mit Sizilianisch klar kommen. Fast auf allen Niveaus wird einem 1...c5 begegnen. Üblich ist dann natürlich, einen offenen Sizilianer mit 3. d4 folgen zu lassen. Wenn man jedoch keine 8-10 Stunden am Tag Zeit hat, die ganzen Varianten zu lernen (und das muss man, will man nicht eine Partie nach der anderen verlieren), muss man eine andere Lösung finden. Sich an offenen Sizilianer ranzusetzen, kann wirklich zur Verzweiflung führen, ich meine wir sprechen über eine Verteidigung, die wohl mehr Material aufweist als jede andere. Es sind mehrere hundert Seiten dicke Wälzer über Nebenvarianten von Nebenvarianten von sizilianischen Abspielen geschrieben worden. Und man sieht ja zurzeit bei Judit Polgar, was dabei rauskommt, wenn man die Varianten nicht perfekt beherrscht.
Es gibt aber eine Lösung: Die Lb5(+)-Sizilianer! Das sind die Rossolimo-Variante und die Moskau-Variante. Zwei positionell sehr solide Systeme, die vielen typischen Sizilianerspielern vermutlich gar nicht so sonderlich liegen. Zudem sind es keine obskuren Systeme: Ivantschuk hat Kasparow einmal damit regelrecht überrannt und Kasparow selbst hat die Variante in dem prestigeträchtigen Internetduell gegen die Welt gewählt. Was will man mehr?
Um einen kleinen Einblick in diese Systeme zu bieten, habe ich eine Partie von Rossolimo selbst ausgewählt. Er war ein fabelhafter Angriffsspieler und auch wenn seine Spielanlage sowie die Eröffnungstheorie (vor allem auf schwarzer Seite) nicht mehr den heutigen Schachkenntnissen entsprechen, so ist die Partie doch ein beeindruckendes Zeugnis dieses Spielers, der für die beste Alternative zu offenen Sizilianern mitverantwortlich ist.
Rossolimo - O'Kelly de Galway [B31]
Oldenburg, 1949
188MB, Shredder9.ctg, MARCO 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 g6 4.0–0 [4.Lxc6 ist die andere Möglichkeit; beide Varianten sind spielbar 4...dxc6 (4...bxc6 5.0–0 Lg7 6.Te1 Sh6 7.c3 0–0 8.d4 cxd4 9.cxd4) 5.d3 Lg7] 4...Lg7 5.c3
eine typische Ausgangsstellung des Rossolimo-Sizilianers

e6?! [5...Sf6 wird heute fast immer gespielt 6.Te1 0–0 7.e5 Sd5 8.d4 cxd4 9.cxd4 Weiß war von dieser Position aus sehr erfolgreich] 6.d4! jetzt bleibt keine Zeit mehr, den Königsflügel zu entwickeln 6...cxd4 [6...Sge7? 7.d5 Se5 8.Sxe5 Lxe5 9.Lg5 h6 10.Lh4 Dc7 11.Lg3 a6 12.La4 b5 13.f4 Lg7 14.d6 Db6 15.Lc2+-] 7.cxd4 Db6?! 8.Sa3! Sxd4 9.Sc4 der Läufer auf b5 ist immun 9...Sxf3+ [9...Dxb5?? 10.Sd6+] 10.Dxf3 Dc7 11.Lf4 Weiß hat einen drückenden Angriff aufgebaut

11...e5 12.Sxe5! Lxe5 13.Tac1 Db8 [13...Lxf4 14.Txc7 Lxc7 15.Dc3+-; 13...Dd6 14.Tfd1 Lxf4 15.Txd6 Lxd6 16.Dd1 Ke7 (16...Le7 17.Txc8+ Txc8 18.Dxd7+ Kf8 19.Dxc8++-) 17.e5! Lxe5 18.Txc8 Txc8 19.Dxd7+ Kf6 20.Dxc8+-] 14.Txc8+! die schwarze Dame ist überlastet 14...Dxc8 15.Lxe5 f6 16.Lxf6 Sxf6 17.Dxf6 Tf8 18.De5+ [Shredder fand einen Zug, mit dem es noch schneller geht 18.De6+ Kd8 19.Td1 Tf7 20.Dxf7 Kc7 21.Lxd7 Kb6 22.Db3+ Kc7 23.Dc3+ Kd8 24.Df6+ Kc7 25.Dd6+ Kd8 26.Lb5+ Dd7 27.Dxd7#] 18...Kd8 19.Dg5+ Ke8 20.Tc1 Dd8 21.De5+ De7 22.Lxd7+ Kf7 [22...Kxd7?? 23.Tc7+ Kd8 (23...Ke8 24.Dxe7#) 24.Dxe7#] 23.Le6+ Ke8 24.Tc7 ein beeindruckender Sieg, und O'Kelly de Galway war kein Anfänger. Bald darauf ist er Großmeister geworden und 1959 wurde er Fernschachweltmeister... 1–0